Pflanzenraritäten in der Orangerie

Die Orangerie im Gutshof bezaubert im Winter mit ihrem mediterranen Flair. Exotische Pflanzen wie Eugenien, Granatäpfel, Bananenstauden, Zitronen- und Orangenbäume verbringen in der Orangerie von Schloss Hof ihr Winterquartier. 

 

Blüte der Schwanenhalsagave im Jänner 2022
 

Zwei Jahre nachdem in Schloss Hof genau 300 Jahren nach der ersten Agavenblüte in einem Garten des Prinzen Eugen eine amerikanische Agave geblüht hatte, blüht nun wieder eine Agave im großen Orangerie-Glashaus von Schloss Hof.

Mitte Jänner 2022 hat die Drachenbaum- oder Schwanenhals-Agave, AGAVE attentuata Salm-Dyck ihre ersten Blüten geöffnet, bald nachdem sie vom begeisterten Gärtner-Ehepaar Holler aus Oberhausen im Marchfeld an Schloss Hof gespendet worden war.

Die Drachenbaum-Agave stammt aus Mexiko, wo sie auf der Pazifikseite in mehreren Bundestaaten auf vulkanischem Felsgestein in Höhen zwischen 400 und 2500 Metern in den trockenen Kiefernwäldern des mexikanischen Zentralplateaus zu finden ist, jedoch nur mehr an wenigen Standorten.

Sie kommt dort in zwei Unterarten vor: Agave attenuata subsp. attenuata Salm-Dyck (um die es sich auch bei unserem Exemplar handelt) in den zentralen und nordwestlichen Bundestaaten und Agave attenuata subsp. dentata (J.Verschaff.) B.Ullrich in den nord- und südwestlichen Bundestaaten.

Ende des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts wurde sie in Europa eingeführt. Erste Exemplare sandte der belgischen Botaniker Henri-Guillaume Galeotti (1814 – 1858) 1834 in den königlichen botanischen Garten von Kew in London und an den Privatgelehrten und Botaniker Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck (1773-1861), für dessen botanische Sammlung  in seinem Garten in Schloss Dyck in Nordrhein-Westfalen.

Der Fürst, führender Spezialist für sukkulente Pflanzen und Autor zahlreicher botanischer Werke, kultivierte die Pflanzen in seinem - unserem Glashaus nicht unähnlichen - Gewächshaus und beschrieb die Art 1834 im Verzeichnis der in seinem botanischen Garten wachsenden Pflanzen, dem ‚Hortus Dyckensis‘.

Die seither als Zierpflanze sehr beliebte Drachenbaum–Agave ist heute im gesamten mediterranen Raum verbreitet und in Lybien und auf Madeira verwildert.

AGAVE attentuata ist allerdings ein in mehrfacher Hinsicht unüblicher Vertreter der mit über 200 Arten von den südlichen Vereinigten Staaten bis ins nördliche Südamerika, vor allem aber in Mittelamerika verbreiteten Gattung Agave L., die zur Unterfamilie Agavoideae HERB. in der Familie Asparagaceae JUSS., der Spargelgewächse gehört.

Anders als die meisten Agaven bildet sie nicht nur eine Blattrosette am Boden sondern einen holzigen, bis zu 1,5 Meter hohen Stamm aus, dem sie ihren deutschen Namen Drachenbaum-Agave verdankt. Auf diesem trägt sie dann ihre Blattrosette aus bis zu 70cm langen und 15cm breiten Blättern. Diese breit-lanzettlichen bis eiförmigen fleischigen Blätter sind wiederum anders als bei den meisten Agaven relativ weich und vor allem unbestachelt.

Wie alle Agaven blüht jeder Trieb nur einmal am Ende ihres Lebens, entwickelt aber, wie an unserem Exemplar auch gut zu sehen, zahlreiche Achselsprosse.

Am auffälligsten ist aber ihr, wie bei allen anderen Agaven endständiger Blütenstand. Der bis zu 3,5 Meter lange Blütenstand ist aber anders als bei dem meisten Agaven auffällig gebogen, weshalb sie auch als ‚Schwanenhals-Agave‘ oder im Englischen als ‚Swan’s Neck -‘ ‚Foxtail-‘ oder ‚Lion’s Tail agave‘ bezeichnet wird. Die Pflanze benötigt etwa ein Jahrzehnt bis der Blütenstand gebildet wird. Dieser entwickelt dann über mehrere Monate hunderte bis 5 cm lange, nektarreiche, grünlich-gelbe, zwittrige, vormännige (protandrische) Blüten, die jeweils nur für wenige Tage blühen und am Naturstandort vermutlich durch große Nachfalter bestäubt werden. Aus den bestäubten Blüten entwickeln sich dann Kapselfrüchte, die zahlreiche Samen entlassen, um den Lebenszyklus der Drachenbaum-Agave von neuem beginnen zu lassen.